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Texte über Architektur, Baukultur und die gebaute Welt

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Wo die Wärme hingeht

Warum die Wand selten das Problem ist

Die Wandwerkstatt nebenan legt einen Irrtum nahe — dass die Wand die Sache sei. Das ist sie nicht: Wer nur die Wand verbessert, verbessert ein Sechstel. Nicht die Summe unten ist interessant, sondern welcher Balken der breiteste ist.

Zustand des Hauses

Wohin die Wärme geht

Aussenwand Fenster und Türen Dach Boden Wärmebrücken Lüftung

Das Haus einstellen

Der Grundriss ist ein Rechteck; „gestreckt" macht aus dem Quadrat einen Riegel. Die Fläche bleibt dabei gleich — der Umfang nicht. Das ist der billigste Weg, ein Haus sparsamer zu machen, und er kostet keinen Rappen Material.

Drei Versuche. Den Fensteranteil von 20 auf 40 % ziehen — beim Passivhaus wächst der Fensterbalken auf die Hälfte. Den Grundriss auf 4 : 1 strecken — dieselbe Wohnfläche, deutlich mehr Verlust. Und einmal von „Altbau" auf „Neubau" schalten und dabei die Wand im Auge behalten: Sie schrumpft nicht nur, sie verliert auch ihren Rang.
Was diese Zahl nicht ist. Gerechnet wird der Verlust, nicht der Verbrauch. Sonne durch die Fenster, Menschen, Geräte und Kochen decken in einem ordentlich gebauten Haus ein Viertel bis zwei Fünftel davon — das rechnet dieses Werkzeug nicht. Warmwasser, Heizungsverluste und Regelung ebenso wenig.

Die Posten im Einzelnen

Der „Faktor" beim Boden ist die Temperaturkorrektur: Erdreich ist im Winter wärmer als Luft, deshalb zählt dort nur etwa die Hälfte des Unterschieds. Ohne diesen Faktor rechnet man den Keller doppelt so schlecht, wie er ist.

Dasselbe Haus in vier Zuständen

Alle vier Balken im selben Massstab. Zwischen dem ersten und dem letzten liegt ein Faktor von rund 8 — und der Reihe nach wechselt der grösste Posten von der Wand über die Lüftung zu den Fenstern.

Was man daran sieht

Gerechnet wird dasselbe Haus einmal durch: Hüllfläche aufteilen, jedem Teil seinen U-Wert geben, die Luft dazu, die durch die Fenster hinaus muss. Was dabei herauskommt, ist in drei Sätzen zusammengefasst.

Je besser das Haus, desto unwichtiger die Wand

Im ungedämmten Altbau ist die Aussenwand der grösste Einzelposten — 31 %. Nach einer Sanierung sind es noch 16 %, im Neubau 14 %. Nicht weil die Wand schlechter geworden wäre, sondern weil alles andere im Verhältnis wächst. Das ist der Grund, warum Fachleute bei einer Sanierung nicht mit der Fassade anfangen, sondern mit dem Dach und den Fenstern: Dort ist der Unterschied je investiertem Franken grösser.

(Diese Prozente gelten für die Grundeinstellung oben — 120 m² auf zwei Geschossen, quadratisch, 20 % Fensteranteil. Sie sind daraus gerechnet, nicht abgeschrieben: Wer die Regler verstellt, verschiebt sie.)

Die Lüftung ist kein Nebenposten

Ein Haus muss belüftet werden — sonst wird die Luft schlecht und die Feuchte bleibt drin, was direkt zurückführt auf die Feuchterechnung nebenan. Diese Luft trägt Wärme hinaus, und in einem gut gedämmten Haus ist das der grösste Posten überhaupt — im Neubau oben 38 %. Dagegen hilft kein Baustoff, sondern nur eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung — sie ist der einzige Grund, warum das Passivhaus in der letzten Zeile so weit unten steht.

Form schlägt Material

Die Kompaktheit — Hüllfläche je Kubikmeter Haus — steht in keiner Materialdebatte und entscheidet trotzdem mit. Ein gestreckter Riegel hat bei gleicher Wohnfläche deutlich mehr Aussenhaut als ein kompakter Block, und jeder zusätzliche Quadratmeter Haut verliert Wärme, ganz gleich woraus er besteht. Ein freistehendes Einfamilienhaus ist aus demselben Grund im Nachteil gegenüber einer Reihenhauszeile: geteilte Wände verlieren nichts.

Umgekehrt heisst das: Wer sehr kompakt und mit geteilten Wänden baut, darf sich beim Baustoff mehr leisten — etwa eine dickere, schwerere, rückbaubare Wand, die im U-Wert nicht ganz vorn liegt.


Gerechnet mit 3136 Kelvintagen im Jahr (aus derselben Klimadatei wie die Feuchtebilanz) und einer Auslegungstemperatur von -8 °C. Wie das gerechnet wird und was fehlt · zur Wandwerkstatt