So sieht diese Bauweise aus — das Muster, an dem man sie erkennt
Vollziegelmauerwerk
Gebrannter Ton, massiv gemauert
Historisch gewachsen
seit der Antike, in Europa dominant im 19. Jahrhundert
Das Prinzip
Gebrannte Tonsteine im Verband gemauert, Kalkmörtel dazwischen. Die Wandstärke folgt einem einfachen Mass: Sie wird nach unten hin dicker, weil unten mehr Last steht — im Erdgeschoss eines Berliner Mietshauses gut anderthalb Steine, oben ein Stein.
Woher sie kommt
Die Bauweise der europäischen Stadt des Industriezeitalters. Ziegel liessen sich in der Nähe der Baustelle brennen, waren genormt, stapelbar, und ein Maurer konnte sie allein setzen. Fast jede europäische Gründerzeitstadt besteht daraus.
Was sie besser kann
Massgenauigkeit und Handhabbarkeit. Ein Ziegel ist auf die menschliche Hand ausgelegt, das Format hat sich in zweitausend Jahren kaum verändert. Die Wand ist druckfest, brandsicher, feuchteregulierend und mit Kalkmörtel sortenrein rückbaubar — alte Ziegel wurden jahrhundertelang wiederverwendet.
Woran sie scheitert
Kein Dämmwert. Ein Gründerzeithaus verliert über die Wand ein Vielfaches dessen, was heute zulässig ist, und ist deshalb der häufigste Sanierungsfall Europas. Das Brennen kostet Energie, und Zementmörtel — seit dem 20. Jahrhundert üblich — macht die Wiederverwendung der Steine unmöglich.
Wie sie gebaut wird
Die Wand als Stapel
Auseinandergezogen, von innen (vorn) nach aussen (hinten). Die Tiefe der Tafeln ist untereinander massstäblich, der Abstand dazwischen erfunden — er ist nur da, damit man jede einzeln sieht.
Wandschnitt — innen links, aussen rechts
Derselbe Schnitt, Wasserdampf im Winter
so viel Dampf ist da so viel kann die Luft hier halten hier fällt Wasser aus
Wasser in der Wand, über das Jahr
Es fällt das ganze Jahr kein Wasser aus. Der eine Wintertag oben sagt, ob Wasser ausfällt; erst der Jahreslauf sagt, ob es wieder verschwindet.
U-Wert
1,446W/m²K
8,5-mal so viel Verlust wie eine heutige Neubauwand
Wanddicke
41,5cm
3 Schichten
Flächengewicht
734kg/m²
eine Wand von 3 × 5 m wiegt 11,0 Tonnen
Sommer: Verzögerung
13,7Stunden
von der Schwankung draussen kommen 12 % an
Speichermasse
734kJ/m²K
wie viel Wärme die Wand aufnimmt, bevor sie sich erwärmt
Der häufigste Sanierungsweg Europas: ein Wärmedämmverbundsystem aussen aufgeklebt. Bauphysikalisch die richtige Seite — die alte Wand bleibt warm und trocken. Der Preis ist ein verklebter Aufbau, der sich nicht mehr sortenrein trennen lässt, und ein verändertes Gesicht des Hauses.
Die Wand als Stapel
Auseinandergezogen, von innen (vorn) nach aussen (hinten). Die Tiefe der Tafeln ist untereinander massstäblich, der Abstand dazwischen erfunden — er ist nur da, damit man jede einzeln sieht.
Wandschnitt — innen links, aussen rechts
Derselbe Schnitt, Wasserdampf im Winter
so viel Dampf ist da so viel kann die Luft hier halten hier fällt Wasser aus
Wasser in der Wand, über das Jahr
Es fällt das ganze Jahr kein Wasser aus. Der eine Wintertag oben sagt, ob Wasser ausfällt; erst der Jahreslauf sagt, ob es wieder verschwindet.
U-Wert
0,191W/m²K
1,1-mal so viel Verlust wie eine heutige Neubauwand
Wanddicke
56,3cm
4 Schichten
Flächengewicht
718kg/m²
eine Wand von 3 × 5 m wiegt 10,8 Tonnen
Sommer: Verzögerung
16,3Stunden
von der Schwankung draussen kommen 3 % an
Speichermasse
719kJ/m²K
wie viel Wärme die Wand aufnimmt, bevor sie sich erwärmt