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Ansichtsmuster: Strohballenbau

So sieht diese Bauweise aus — das Muster, an dem man sie erkennt

Strohballenbau

Gepresste Ernteabfälle als Wand


Das Prinzip

Landwirtschaftliche Strohballen werden gestapelt und beidseitig mit Lehm oder Kalk verputzt. Der Putz ist nicht Kosmetik: Er macht die Wand brandsicher, windsteif und nagetiersicher. In der lasttragenden Variante trägt der Ballenstapel selbst, häufiger steht ein Holzskelett daneben.

Woher sie kommt

Entstanden in den baumlosen Great Plains, als die Dampf-Ballenpresse aufkam und es kein Bauholz gab. Einige der ersten Häuser stehen über hundert Jahre später noch.

Was sie besser kann

Der billigste Dämmstoff der Welt, ein Abfallprodukt, das sonst untergepflügt wird — und einer der wenigen Baustoffe, die jährlich nachwachsen statt in Jahrzehnten. Der Aufbau ist vollständig kompostierbar.

Woran sie scheitert

Die Wand wird sehr dick, die Ballen müssen absolut trocken bleiben, und die Baustelle darf nicht in den Regen kommen. Der Nachweis gegenüber Behörden und Versicherungen ist der eigentliche Aufwand — nicht die Konstruktion.

Wie sie gebaut wird

Die Wand als Stapel

Kalkputz — 30 mmStrohballen — 360 mmLehmputz — 30 mmLehmputz30 mmStrohballen360 mmKalkputz30 mm

Auseinandergezogen, von innen (vorn) nach aussen (hinten). Die Tiefe der Tafeln ist untereinander massstäblich, der Abstand dazwischen erfunden — er ist nur da, damit man jede einzeln sieht.

Wandschnitt — innen links, aussen rechts

innenaussenLehmputz — 30 mmStrohballen — 360 mmKalkputz — 30 mmLehmputz30 mmStrohballen360 mmKalkputz30 mm

Derselbe Schnitt, Wasserdampf im Winter

19,5 °C an der Innenoberfläche-4,9 °C aussen
so viel Dampf ist da so viel kann die Luft hier halten hier fällt Wasser aus

Wasser in der Wand, über das Jahr

Grenzwert 1,0 kg/m²Januar: 0,65 kg/m²JanFebruar: 0,82 kg/m²FebMärz: 0,77 kg/m²MärApril: 0,45 kg/m²Apr10°Mai15°Jun18°Jul20°Aug19°Sep15°Okt11°November: 0,16 kg/m²NovDezember: 0,41 kg/m²Dez

Im Winter fällt Wasser aus, im Sommer trocknet es vollständig weg. Der eine Wintertag oben sagt, ob Wasser ausfällt; erst der Jahreslauf sagt, ob es wieder verschwindet.

U-Wert
0,150W/m²K
hält den Schweizer Richtwert für Neubauten (0,17)
Wanddicke
42,0cm
3 Schichten
Flächengewicht
132kg/m²
eine Wand von 3 × 5 m wiegt 2,0 Tonnen
Sommer: Verzögerung
15,2Stunden
von der Schwankung draussen kommen 16 % an
Speichermasse
154kJ/m²K
wie viel Wärme die Wand aufnimmt, bevor sie sich erwärmt
Feuchte im Jahreslauf
trocknet ausab Mai
Höchststand 0,82 kg/m² im Februar, Grenzwert 1,0
Material
103CHF/m²
nur Baustoff, ohne Arbeit — Grössenordnung
Herstellung
31kg CO₂/m²
bis Werktor, ±50 %
Der Aufbau, von innen nach aussen
SchichtDickeWas das ist
Lehmputz30 mmDie Innenoberfläche, die Feuchte am schnellsten aufnimmt und wieder abgibt. Nicht wasserfest — im Bad braucht es etwas anderes.
Strohballen zwischen Ständern360 mmLandwirtschaftliches Abfallprodukt, gepresst. Der billigste Dämmstoff überhaupt — dafür braucht die Wand rund einen halben Meter.
Kalkputz30 mmDer Aussenputz vor der Zementzeit. Diffusionsoffen, alkalisch (also schimmelhemmend), muss gepflegt werden.

Diesen Aufbau in der Werkstatt öffnen →

Hier zeigt sich die Grenze des Rechenverfahrens deutlicher als bei jeder anderen Bauweise. Glaser meldet Tauwasser — aber Strohballenwände dieser Bauart stehen in Nebraska seit über hundert Jahren, und Messungen an bewohnten Häusern finden keine kritischen Feuchten. Der Grund: Stroh und Lehmputz puffern grosse Mengen Wasser und geben sie über den Sommer wieder ab; das Verfahren kennt weder Speicherung noch kapillaren Rücktransport. Was hier stattdessen zählt, ist handwerklich: trockene Ballen einbauen, Dichte über 90 kg/m³, guter Sockel, weites Vordach.

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